Motek vom 10. bis 13. Oktober 2016 in Stuttgart

Robotics? Cobotics!

Die Systemintegration in der Robotertechnik schreitet unaufhaltsam voran. Zur 35. Motek – Internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung – zeigen nicht nur viele Roboterhersteller, sondern mehr als 150 Sondermaschinen- und Anlagenbauer sowie Systemhäuser, wie und welche Prozesse mit Hilfe von Robotern wirtschaftlich rationalisiert werden können.

Kollaboration: Cobot und Mensch bei der Montage.

In vielen Bereichen der industriellen Fertigung zählt die Montagetechnik mittlerweile zu den komplexesten Aufgaben. Vor allem die stückzahlflexible Variantenfertigung mit wechselnden Chargengrößen und unterschiedlichen Produktausstattungen bringt Herausforderungen mit sich, denen nur mit einem vergleichsweise hohen Automatisierungsgrad zu begegnen ist. Dies gilt für alle Bereiche der Vorfertigung wie auch vor allen Dingen für die Baugruppen- und für die Endmontage. Um den vielfältigen Anforderungen etwa beim Material-Handling, beim Tool-Handling, beim Transport zwischen einzelnen Fertigungsbereichen, beim Prüfen, Verpacken und Kommissionieren gerecht zu werden, braucht es in jedem Fall eine hohe Einsatz-, Nutzungs- und Umrüstungs-Flexibilität – sowohl von Mensch als auch von Maschine(n). Andererseits treibt ein hoher Automatisierungsgrad die Investitionen für die Fertigungstechnik weiter in die Höhe. Um nun unter allen realen Produktionsbedingungen die gebotene Effizienz und Wirtschaftlichkeit darstellen zu können, gilt es demnach, einen Mix aus manueller und automatisierter Arbeit zu finden, der die Problematik des „ungehinderten und dabei effizienten sowie unbedingt sicheren Miteinanders“ zwischen Mensch und Maschine berücksichtigt. Der Begriff MRK Mensch-Roboter-Kollaboration steht zwar für dieses Miteinander, umschreibt aber mehr oder weniger bewusst auch den Wandel hin zur Denkweise, nicht immer der teuren Vollautomatisierung den Vorzug zu geben, sondern das Augenmerk auf teilautomatisierte pragmatische Lösungen zu legen, die zudem auch ein geringeres Investment erfordern.

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Industrial Handling vor neuen Herausforderungen

Speziell die stückzahlflexible Variantenfertigung, die sich nicht nur in der Automobilindustrie auf der Basis von wenigen Plattformen und einer ausufernden Ausstattungsvarianz abspielt, läuft der hochautomatisierten Serien- bis Massenproduktion entgegen, sodass ganz andere Ansätze verfolgt werden müssen, um unter den sich verändernden Produktionsbedingungen wirtschaftlich fertigen zu können. Und genau hier kommt der erwähnte Mix aus Mensch und Maschine beziehungsweise Roboter zum Tragen, womit aus Robotik/Robotics dann eben Cobots/Cobotics wird! Die Definition oder besser Interpretation des Begriffs Roboter steht dabei hintenan, denn im Grunde genommen ist es der Produktions- oder Montage-Fachkraft egal, wer sie beim Materialhandling oder bei der Positionierung von Bauteilen/Baugruppen oder Hilfsvorrichtungen und Tools unterstützt. Ob Linear- und Schwenk-/Drehachsen oder daraus kombinierte Koordinatensysteme, ob Portalroboter oder klassischer Industrie-Sechsachser, ob Scara- oder Tri-/Hexapod – am Ende geht es um das perfekt aufeinander abgestimmt Co-Working eben von Mensch und Maschine/Roboter. Da ist es hilfreich, „den Roboter“ auf das zurückzustutzen, was er ist, nämlich zunächst ein aus zahlreichen Komponenten und einer Steuerung bestehendes Gerät, dem erst die Software Leben einhaucht und das, bestückt mit einem Greifer oder mit einem Werkzeug, die ihm zugedachte Arbeit verrichten kann. Der Vergleich zu einem modernen Fünf-Achsen-Bearbeitungszentrum drängt sich auf, denn auch hier handelt es sich um eine universell anwendbare Grundmaschine, die per Software und Werkzeugen sowie Spannvorrichtungen nutzen- und ertragsbringend einzusetzen ist.

Die Cobots kommen!

Bettina Schall, Geschäftsführerin, Messeunternehmen P. E. Schall GmbH & Co. KG. (Foto: Schall)

Das Herunterbrechen des Roboters auf einen simplen Funktions-Baustein der Produktion ist wohl vonnöten, um der um sich greifenden und nicht immer sachlichen Diskussion über den Sinn oder Unsinn vom Einsatz „kollaborativer“ Roboter – und nur die sind gemeint! – eine strikt an der Praxis orientierte Richtung zu geben. Die einfache Faustregel, nach der es sich lohnt, in ein jedes Element zu investieren, das den bei der Arbeit unterstützt – etwa aus Gründen der Steigerung von Produktivität und Effizienz, der Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit, für höhere Qualität, für eine Aufwertung des Arbeitsplatzes, für die Übertragung von mehr Verantwortung, zur Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen oder für eine höhere Motivation, spricht eigentlich für sich und braucht nicht weiter kommentiert zu werden. Entscheidend ist, von reinen Lippenbekenntnissen zur selbstredend von vielen konsequent verfolgten „Humanisierung der Arbeitswelt“ Abschied zu nehmen und den Sprüchen umgehend Taten folgen zu lassen. Die Motek und – in Montage-Prozessen denkend – auch weitergehend die Bondexpo bieten mit ihren 1.000 Ausstellern aus rund 30 Nationen mehr als nur einen Überblick über das Angebot und die Integration von Robotern (Robotics) und kollaborativen Robotern (Cobotics), sofern es überhaupt noch angebracht erscheint, hier eine Trennlinie zu ziehen. Die Roboter-Entwicklungen der Zukunft gehen zwangsläufig in Richtung „Cobots“ mit mehr Tragkraft, größeren Reichweiten und neuen Sicherheitseinrichtungen in Hard- und Software. Darüber hinaus entwickeln die Hersteller von Greifsystemen und Roboter-Peripherie ebenfalls in diese Richtung und auch dazu geben die Aussteller der Motek und der Bondexpo einen ersten Ausblick.

Sichtbar wird die Systemintegration in der Robotertechnik auch an der Bondexpo – Internationale Fachmesse für Klebtechnologien, nämlich in Gestalt von robotergestützten Applikationen beim Verbinden, Dichten und Dämmen von Bauteilen durch Klebstoffe oder in Kombination mit mechanischen Verbindungselementen.

Bettina Schall, GF P. E. Schall

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