Lager, Kommissionierung, Intralogistik

handling award: Gewinner der Kategorie 4

Traditionell am Abend des zweiten Messetages im Rahmen der Motek wurde wieder der handling award verliehen. In der Kategorie 4 "Lager, Kommissionierung, Intralogistik" wurden eine Lösung zur flexiblen Zellenfertigung, ein Schienensystem zur Schwerlastbeförderung und ein 3D-Staplerleitsystem ausgezeichnet.

Die Gewinner der Kategorie 4 "Lager, Kommissionierung, Intralogistik" © WBM

Flexible Zellenfertigung
Über den ersten Platz in der Kategorie 4 freute sich IPO.Plan, die sich mit flexCell, einem Algorithmus zur flexiblen Zellenfertigung beworben hatten. Die Planungs-Experten von IPO.Plan präsentieren die flexible Zellenfertigung als längst überfällige Alternative zur Montage in der Linie. Herzstück ist der flexCell-Algorithmus, den die Entwickler zusammen mit Boston Consulting Group (BCG) mit realen Daten eines OEMs getestet haben. Durch die Integration des Algorithmus in das Planungstool IPO.Log lassen sich die flexible Zellenfertigung simulieren und die dafür notwendigen Fahrerlosen Transportsysteme (FTS) steuern.

Berechnungen mit realen Daten zeigen, dass bei einer Montage in flexiblen Zellen und Einsatz von FTS – im Vergleich zur klassischen Linie – die Werker-Auslastung um zwölf Prozent gesteigert werden kann. Lohnkosten sinken um einen ähnlichen Prozentsatz. Ein erstes Kunden-Projekt wurde bereits erfolgreich absolviert. Ein weiteres Projekt läuft.

Die Planungs-Experten von Ipo.Plan präsentierten die flexible Zellenfertigung als Alternative zur Montage in der Linie. Herzstück ist der FlexCell-Algorithmus, der mit realen Daten getestet wurde. © Ipo.Plan

Das Besondere ist, dass die Produktion nicht in der Reihe stattfindet, sondern in einzelnen Zellen. Jede Zelle wird für sich gesteuert. Das FiFo-Prinzip wird ausgehebelt. Der flexCell-Algorithmus berechnet die optimale Belegung der Zellen und weist diesen die passenden Montageaufträge zu. Darauf abgestimmt wird die Materialversorgung mittels Warenkörbe auf FTS gesteuert. Für das Produkt nicht relevante Zellen werden von den FTS einfach übersprungen.

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Matthias Kellermann und Tobias Herwig von Ipo.Plan nehmen den award von handling-Chefredakteur Daniel Schilling entgegen. © WBM

Die Logistik wird so getaktet, dass das Produkt auf den Werker wartet und nicht der Werker auf das Produkt. Da sich Zellen einzeln ergänzen oder ändern lassen, ist das Produktspektrum beliebig erweiterbar und es kann flexibel auf Volumenschwankungen reagiert werden. Der FlexCell-Algorithmus simuliert die geänderte Belegung der Zellen auf Knopfdruck und triggert die Umleitung der FTS zu anderen Zellen. Da bei Anpassungen oder technischen Defekten nur die jeweilige Zelle betroffen ist, gehört ein vollständiger Linien-Stillstand der Vergangenheit an. Zielgruppe für eine flexible Zellenfertigung sind Unternehmen mit breitem Produktspektrum.

Jury-Mitglied Edgar Grundler gratuliert Derek P. Clark und Manuel Granz von Losyco zum zweiten Platz. © WBM

Schwere Last auf Schienen
Der zweite Preis ging an Losyco. Der Intralogistik-Spezialist hat für sein LOXrail-Schienensys­tem zur Schwerlastbeförderung eine neuartige Lenkplattform entwickelt, mit der sich schwere, sperrige Baugruppen direkt auf der Förderschiene wenden und ausrichten lassen. Zur unkomplizierten Änderung der Fahrtrichtung hat der neue LOXrail-Allrounder speziell konstruierte, beliebig drehbare Radsätze mit optimiertem Rollverhalten.

So können Traglasten bis fünf Tonnen ergonomisch per Hand bewegt und ohne Druckluft- oder Stromzufuhr umgelenkt werden, da zum flexiblen Richtungswechsel kein Anheben der Last mehr erforderlich ist. Das Lenksystem vereinfacht das Umsteuern zwischen Längs- und Querfahrten und erspart aufwändige Installationsarbeiten für den Einbau von Weichen oder Drehscheiben im Hallenboden. Auch bei abzweigender Linienführung müssen nun außer den LOXrail-Schienenprofilen und einfachen Kreuzungselementen keine weiteren Systemkomponenten mehr fest im Boden verankert werden.

Das 3D-Staplerleitsystem Identplus ermöglicht scan- und fehlerfreie Intralogistik mit Staplern. Basis ist die infrastrukturfreie Staplerortung auf einer digitalen Lagerkarte mittels 2D-LIDAR-Sensor anhand natürlicher Konturen der aktuellen Staplerumgebung. © Identpro

Der Stapler-Finder
Mit dem dritten Platz zeichnete die Jury das 3D-Staplerleitsystem Identplus von Identpro aus. Es ermöglicht scan- und fehlerfreie Intralogistik mit Staplern mit durchgehend synchronisiertem Material- und Datenfluss. Auf Basis präziser Staplerortung anhand natürlicher Umgebungsmerkmale identifizieren die Stapler aufgenommene Ladeeinheiten wie Paletten, Gitterboxen, IBCs, Papierrollen und ähnliches ausschließlich über die x,y,z-Koordinate des jeweiligen Lagerplatzes, ohne Eingriff durch den Fahrer. Staplerfahrer werden zu angeforderten Paletten navigiert und bei falschen Abgabepositionen direkt gewarnt.

handling-Chefredakteur Daniel Schilling, Roman Kucza von Identpro und Jury-Mitglied Edgar Grundler. © WBM

Grundlage des Staplerleitsystems ist die selbst entwickelte, infrastrukturfreie Staplerortung auf einer digitalen Lagerkarte mittels 2D-Lidar-Sensor anhand natürlicher Konturen der aktuellen Staplerumgebung. Die Besonderheit dabei ist die Berücksichtigung temporärer und dynamischer Änderungen von Konturen in der Umgebung, etwa durch einen LKW. Die wiederholbare Genauigkeit im Innen- und Außenbereich beträgt plusminus zehn Zentimeter. as

Sieger und Produkte der Kategorie 4 stellen wir auch in unserer Bildergalerie vor.

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