Elektro-Mehrwege-Seitenstapler

Der Stapler sucht sich den Stellplatz

Maximale Lagerkapazität. Gaugler & Lutz hat im neuen Logistikzentrum ein Kragarm-Verschieberegal errichtet. Den Palettentransport übernehmen Mehrwege-Seitenstapler von Hubtex, die sich entlang induktiv gesteuerter Wegstrecken bewegen und ein halbautomatisches Positionierungssystem nutzen.

Die Elektro-Mehrwege-Seitenstapler MQ 30 übernehmen den Palettentransport im neuen Logistikzentrum. © Hubtex

Gaugler & Lutz hat sich auf den Leicht- und Sandwichbau sowie die Herstellung und den Vertrieb von Sport-, Reha- und Freizeitartikeln spezialisiert. Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Aalen-Ebnat liefert beispielsweise Bauteile für Windkraftanlagen, den Straßen- und Schienenverkehr und den Schiffbau. In ihrer industriellen Schreinerei am Standort in Aalen-Ebnat bearbeitet Gaugler & Lutz Balsaholz und Schaumstoffmaterialien, bevorzugt Hartschaumstoffe. Diese werden unter anderem für die Versteifung der Rotorblätter in Windkraftanlagen verwendet. Die bearbeiteten Materialien wurden bislang in drei Lägern in Ebnat-Süd bevorratet. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Leichtbaumaterialien hat sich das Unternehmen für einen Neubau mit Produktions-, Logistik- und Verwaltungsfläche entschieden. Hier war eine Lösung gefragt, die die vorhandenen Platzverhältnisse optimal ausnutzt. Ziel war es, eine maximale Anzahl von Artikeln auf engstem Raum zu bevorraten. Gaugler & Lutz errichtete daher auf einer Fläche von 2.200 Quadratmetern ein Kragarm-Verschieberegal und schuf damit durchgehende Fachböden zur Palettenlagerung.

Anzeige

„Wir lagern täglich bis zu 120 Paletten mit Rohmaterial ein und aus“, erklärt Dr. Rüdiger Wittenbeck, Projektmanager für Prozessoptimierung bei Gaugler & Lutz. Die unterschiedlichen Formate der Materialien und variierende Palettenmaße erschwerten eine präzise und platzoptimierte Lagerung. Vor der Errichtung des neuen Logistikzentrums erfolgte die Lagerung in Standardregalen oder im Blocklager. Frontstapler transportierten die Paletten zu den Zielorten. „Unsere Lagerplätze konnten wir so nicht optimal ausnutzen“, sagt Vanessa Iliadis, die für die Logistikabwicklung bei Gaugler & Lutz verantwortlich ist. „Nach der Einführung unserer semiautomatisierten Lagerlogistik am neuen Standort erfolgen Transport und Bevorratung jetzt deutlich effektiver.“ Auf der Suche nach einem Partner, der ein passendes Fahrzeug für den Transport der Paletten im Verschieberegal liefert und für eine optimale Anbindung an die Fördertechnik sorgt, wandte sich der Spezialist für konfektionierte Bauteile an Hubtex. Der Hersteller von Sonderfahrzeugen für den Transport von sperrigen Lasten überzeugte Gaugler & Lutz mit einem individuell angepassten Schnittstellenkonzept, das in der Gesamtanlage eine Verbindung von Fahrzeug und Fördertechnik ermöglicht. Darüber hinaus sorgte Hubtex für die Abstimmung zwischen Fahrzeug und Warehouse-Management-System.

Die Regalanlage besteht aus zwölf Kragarm-Verschiebewagen mit je drei bis fünf übereinander angeordneten durchgehenden Lagerebenen und zwei feststehenden Regalreihen an den Seitenwänden. Da die Paletten und die einzulagernden Materialien keine Standardformate aufweisen, erfolgt über ein Lichtgitter zunächst eine Bestimmung der Länge, Breite und Höhe der Ware. Anschließend wird das Gewicht ermittelt. Die Abmessungen und das Gesamtgewicht eines jeden Ladungsträgers bestimmen den Lagerplatz.

Ist bei der Einlagerung die vorgegebene Regalhöhe erreicht, bleibt der Hubmast automatisch stehen und die Einlagerung kann beginnen. © Hubtex

Nach der Messung transportiert ein Rollenbahnsystem die Palette in die Lagerhalle. Dort übernimmt sie der Staplerfahrer Denis Velichko mit dem MQ 30 von Hubtex und scannt den angebrachten Barcode. „Der ideale Lagerplatz ist durch die Abmessung und das Gewicht eindeutig bestimmt und wird dem Staplerfahrer durch unsere Prozesstechnik übermittelt“, erläutert Vanessa Iliadis. Automatisch öffnet sich der zugewiesene Gang in der Verschiebeanlage. Auf dem Induktivdraht spurt der Fahrer vor dem Gang ein und setzt den Elektro-Mehrwege-Seitenstapler in Bewegung. Das Fahrzeug positioniert sich von selbst an der richtigen Stelle vor dem Regal. Dabei müssen die Verschieberegale eine sehr exakte Position einnehmen, um die Spurführung mit einem Sicherheitsabstand zu den Regalen von nur wenigen Millimetern zu ermöglichen sowie Berührungen mit Regalen oder Ware zu verhindern.

Ist die vorgegebene Regalhöhe erreicht, bleibt der Hubmast automatisch stehen. Der Hubtex-Load-Manager ermöglicht dabei eine frei programmierbare Hubhöhenvorwahl mit 99 Positionen. Nachdem der Staplerfahrer die Endposition quittiert hat, ist die Palette millimetergenau auf dem zugewiesenen Platz eingelagert. Allerdings lassen sich die Gabeln grundsätzlich nur bis zehn Zentimeter unterhalb der in jedem Fachboden vorhandenen Sprinklerköpfe anheben. „Unsere Regal-Löschanlage umfasst etwa 4.000 Sprinklerköpfe“, so Dr. Rüdiger Wittenbeck. „Die präzise Positionierung der Paletten ohne Beschädigung der Sprinklerköpfe stellte eine zusätzliche Anforderung an den Staplerbetrieb dar.“

Die automatische Löschanlage ist aufgrund der unverpackten geschäumten Kunststoffe vorgeschrieben und schützt vor Entstehungsbrand. Zusätzlich haben die Mehrwege-Seitenstapler Personenschutzsysteme. Laser-Scanner am Fahrzeug überwachen permanent die Regalgänge. Sie erfassen Personen oder Hindernisse, die sich in einem gefährlichen Bereich nahe dem Stapler befinden. Automatisch erfolgt eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit bis zum Stillstand.

Da die Elektro-Mehrwege-Seitenstapler geleitet werden, ist eine präzise Positionierung der Fahrzeuge gegeben. Die induktive Spurführung in der Verschiebeanlage gewährleistet Sicherheit: Beschädigungen an den Regalen oder der Ware sind nahezu ausgeschlossen. Optimierte Fahrstrecken innerhalb des Lagers sorgen für eine Zeitersparnis bei der Ein- und Auslagerung der Transportgüter. Der Einsatz der Hubtex-Stapler macht eine Bevorratung von Waren auf engem Raum möglich, da die Abstände der Regalreihen auf ein Minimum reduziert werden können.

Auch in Zukunft setzt Gaugler & Lutz auf den Staplerhersteller aus Fulda. Geplant ist eine Erweiterung der Elektro-Mehrwege-Seitenstapler von Hubtex um eine Vakuumsaugvorrichtung. Die Plattenkommissionierung mit dem Vacumat ermöglicht einen beschädigungsfreien Umgang mit empfindlichen Materialien und sorgt für eine Entlastung von Mitarbeitern beim Transport von sperrigen und schweren Gütern. as

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Warehouse-Management

Neubau für Industrie 4.0

Netzsch hat seine neue Produktionshalle mit einem SAP-Warehouse-Management ausgestattet. Das optimiert den Ablauf aller logistischen Prozesse in der Fertigung und das Unternehmen kann flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren.

mehr...

Regalbediengeräte

Bedient bis 18 Meter

Mit dem Mustang E+ präsentiert TGW, Spezialist im Miniload-Bereich, jetzt die neueste Entwicklungsstufe seiner Regalbediengeräte. Er bietet eine hohe Fahr- und Hubleistung und eignet sich für den Einsatz auch in mehrstöckigen Anlagen.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Lagermodernisierung

Retrofit rund ums Rad

Klinkhammer modernisiert für Messingschlager das Hochregal- und Kleinteilelager für Komponenten rund ums Fahrrad. Neben zusätzlichen Regalgassen und einem neuen Kommissionierbereich wird auch die Steuerungs- und Lagerverwaltungs-Software...

mehr...

Handschuhscanner

Vier Sekunden schneller pro Scan

ProGlove, Spezialist für Industrie Wearables, hat seine Mark-Produktfamilie um die die Handschuhscanner Mark Basic und Mark standard range erweitert. Typische Kommissionierungsfehler lassen sich damit um bis zu 33 Prozent reduzieren.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Palettenregalsystem

Wo die Bio-Eier liegen

f&f aus Schötz, Kanton Luzern/Schweiz, liefert landesweit Eier und Eiprodukte – vornehmlich in Bio-Qualität. Für die Lagerhaltung dieser empfindlichen Lebensmittel hat das Unternehmen sein Betriebsgebäude mit dem AR-PAL-System von AR Racking...

mehr...